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"Drache und Burg" Gesamtschule Kobern Gondorf 2010, Jens Nettlich
Die Installation "Drache und Burg" war eine Auftragsarbeit der Verbandsgemeinde im Rahmen der Umbaumaßnahmen an der Kobern-Gondorfer Gesamtschule.
Kunst am Bau ist stets eine Herausforderung umso mehr, wenn viele Menschen, wie in diesem Fall eine Schule, involviert sind.
Da ich selbst Vater eines Schulpflichtigen Kindes bin, wollte ich diese Aufgabe auch im Sinne der Kinder an dieser Schule lösen. Etwas, das die Phantasie der Kinder- und natürlich auch die der Erwachsenen - anregt, sie spielerisch an die Kunst heranführt und bestenfalls auch einen praktischen Nutzen hat ohne als Spielplatzgerät zu enden.
Da Kobern-Gondorf als eine von wenigen Gemeinden deutschlandweit als Alleinstellungsmerkmal eine Ortshistorie vorweist, in der ein Drache - der Tatzelwurm - vorkommt, war relativ schnell auch das Hauptmotiv gefunden. Die sich in Sichtweite befindliche, in vielen Schleifen mäandernde Mosel wird ebenfalls of in Dichtung und Poesie als Schlange oder Lindwurm bezeichnet.
So entstand die Idee aus Eichenholz einen Drachen - oder Lindwurmleib zu gestalten, der sowohl für den lokalen Tatzelwurm als auch für die Moselregion Pate steht. Dieser Leib, welcher aus 5 verschieden großen Segmenten besteht, legt sich zu einem omegaförmigen Kreis beschützend und gleichzeitig bewachend um eine Burg in der Kreismitte.
Die gewundenen und bearbeiteten Holzstämme sind dergestalt angeordnet, dass der Eindruck eines sich "auf-und-ab" bewegenden Lindwurms entsteht, welcher sich durch die Erdoberfläche wie in einer Flüssigkeit bewegt.
Mein Hauptmerkmal lag - neben der Herstellung des Drachenhauptes - bei der Auswahl von besonders geformten Holzstämmen im Wald.
Die Burg in der Mitte steht fest auf einem ortstypischen Schieferfindling verankert und symbolisiert einerseits die Koberner Burg und andererseits auch die zahlreichen Burgen der Region.
Die "Burg" selbst ist aus Winkeleisen und anderen industriell hergestellten Halbzeugen zusammengefügt und gestaltet worden, dass der Eindruck einer halbverfallenen Burgruine, ähnlich der Koberner Ruine, entstand.
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"Die Nibelungen" Siegfried-Nibelungenstraße, Odenwald 2002-2005
"Einen bedeutenden künstlerischen Erfolg errang Jens Nettlich 2002 mit dem Großauftrag zur Gestaltung der Nibelungen- sowie der Siegfriedstraße zur Skulpturenmeile. Von der Nibelungenstadt Worms über Lorsch und Reichelsheim führt der Parcour bis nach Freudenberg am Main und von dort wieder zurück über Amorbach, Grasellenbach und Fürth nach Bürstadt. Majestätische Gestalten aus der Nibelungensage von suggestiver Wirkkraft, geradezu denkmalhafter Präsenz und mitreißender Dramatik setzen eindrucksvolle Marksteine einer historischen Route und vergegenwärtigen Geschichte(n) auf zeitgemäße Weise. Herr Nettlich versteht sich darauf, das aus Laiensicht profane Material einem künstlerischen Wandlungsprozess zu unterziehen, aus dem poetische Gestalten und organische Naturformen hervorgehen. Jens Nettlich agiert in solchen Arbeiten mit jenem Picassoschem Bildwitz und Erfindungsreichtum, dem wir die weltberühmte Kombination eines Fahrradlenkers und -sattels zum museumswürdigen Stierkopf verdanken. Der Bildhauer beherrscht zudem die surrealistische Methode der Metamorphose des Alltäglichen zum Fantasievollen und Wundersamen. Diese Gabe prädestinierte den Künstler zu der schwierigen Herausforderung der Aufstellung seiner Werke im öffentlichen Raum, einer Kunst, die sich an wechselnden Standorten in ihrer Umwelt behauptet, ohne diese zu dominieren (gewissermaßen die Königsdisziplin aller Plastik).
Jens Nettlichs Plastiken eignet etwas unterschwellig Dämonisches, Magisches und - spirituell aufgeladen - Mysthisches an. Bei aller szenischen Prägnanz bleiben die Figurinen seltsam ungreifbar. Dieses Phänomen gründet einmal in dem künstlerischen Abstraktionsgrad, der die Skulpturen bei aller Einprägsamkeit vor illustrativer Vordergründigkeit bewahrt. Das Vage und Ungewisse liegt aber auch an dem offen zur Schau gestellten Hohlkörper vieler Plastiken. Der Hohlraum verleiht den Körperhüllen etwas Verletzliches und Ungreifbares und macht die Gestalten zu Schattenwesen, die womöglich in ihren vorgeschriebenen Rollen gefangen sind.
Sanfte Wölbungen sorgen bei wechselndem Lichteinfall für moderate Belebung und modellieren durch die Licht-Schatten-Verteilung die Körperplastizität. Nettlichs Exponate nehmen Bezug auf frühmittelalterliche nordische Sagenstoffe und spiegeln zu einem großen Teil Protagonisten und Episoden des Nibelungenliedes. Andererseits eignet ihnen die Zeitenthobenheit des Mythos und die Allgemeingültigkeit von Archetypen und Zeichen.
Jens Nettlichs Plastiken sind Raumhülsen, die das Volumen einfangen und durch Öffnungen sichtbar machen, ohne es einzusperren. Anders als traditionelle massive Bronzeplastiken binden sie nicht das Volumen an die eigene Körpermasse, sondern treten mit dem Umraum in Wechselwirkung. Die Formhülle grenzt sich gegenüber dem Außenraum durch konvexe Biegungen ab und signalisiert Schutz und Stärke. Innenansichten hingegen gewähren Einblick in den dünnen Formmantel, indizieren Fragilität und Verletzlichkeit und offenbaren die komplementäre Polarität von Konvex und Konkav. Dies Wechselspiel von Innen und Außen ist eine formplastische Errungenschaft der Skulptur des 20. Jahrhunderts, die untrennbar mit den Namen der Bildhauer Barbara Hepworth und Henry Moore verknüpft ist.
Der unbefangene skulpturale Einsatz von gebogenen Metallblechen, die erst das Zeichnen im Raum ermöglichen, wäre ohne den großen Spanier Pablo Picasso undenkbar. Auch das bisweilen durchaus ernst vorgetragene spielerische Moment, das Märchenhafte und Poetische sowie der bisweilen aufscheinende Bildwitz haben hier einen Urahnen. Jens Nettlich gelingt es, seinem spröden Werkstoff geschmeidige Formverläufe, prägnant geschnittene Silhouetten und eine edle Oberflächenwirkung abzugewinnen. Es ist faszinierend, zu beobachten, wie die Gestalten ihre Stabilität anders als traditionelle Aktfiguren nicht aus der Ponderation der Körperanatomie gewinnen, sondern allein aus der Spannung der gestrafften plastischen Haut. Die Hohlkörper feiern zwar einen machtvollen, Aufmerksamkeit heischenden Auftritt, aber sie führen zugleich eine Schattenexistenz, bleiben auf gespenstische Weise ungreifbar, eben Figuren, Rollen und mehr noch Mythos."
Zitat aus einer Rede von Dr. Olaf Mückain, (Leiter des Nibelungenmuseums Worms) anlässlich einer Ausstellungseröffnung
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